Michelle führt seit 2 Jahren eine Fernbeziehung zwischen der Schweiz und Deutschland und teilt hier in einem Interview ihre Erfahrungen (Distanz: 700 Kilometer)

Stef: Warum bist du das Mädchen im Zug

Michelle: Das war ganz lustig, mein Freund und 2 Freunde von uns haben immer Witze darüber gemacht, weil ich ja jeden Freitag und jeden Sonntag jeweils 8 Stunden im Zug sitze und auch bevor ich mit dem Auto zur Berufsschule gefahren bin, bin ich mit dem Zug gefahren, weshalb ich jede Woche immer um die 26 Stunden Zug gefahren bin. Und so wurde ich irgendwann das „Mädchen im Zug“, was dann sehr bald mein Instagram-Name wurde. 

Stef: Wow, das sagt schon sehr viel über deinen Lifestyle aus. Neben Beruf und Beziehung bist du auch noch sehr viel am Reisen. Wie schaffst du das, dass du alles immer unter einen Hut bringst? 

Michelle: Es ist nicht immer einfach, aber ich habe das Glück, so einen tollen Chef zu haben, der mir erlaubt, in Gleitzeit zu arbeiten und ich Freitags schon um 14 Uhr heimgehen darf. Dafür bin ich unglaublich dankbar!

Stef: Cool, also als tipp für alle: Verscherzt es euch nicht mit eurem Chef oder seid am besten euer eigener Chef, dann müsst ihr euch nicht Sorgen machen, dass ihr nicht frei bekommt, wenn ihr gerne frei haben wollt (lacht). Fährst du jeden Freitag?

Michelle: Ich fahre jeden Freitag, ja! Es sei denn es ist irgend ein Event oder ein Geburtstag bei mir zuhause. 

Stef: Ok, was wenn du nicht zu deinem Freund fahren kannst? Kommt dann dein Freund zu dir?

Michelle: Nein, leider nicht. Mein Freund arbeitet unter anderem als Pflegekraft, absolviert gerade ein Studium in der Sozialarbeit für Schwerbehinderte, und hat auch am Wochenende immer Schichten, bei denen er arbeiten muss. Da sagen wir aber dann auch, das es ok ist.

Stef: Da ist wohl auch mit der Zeit eine Menge Akzeptanz entstanden, oder? Sonst würde das ganze ja nicht funktionieren? Ihr schätzt dann vermutlich die Zeit, in der ihr euch sehr umso mehr!

Michelle: Ja, tatsächlich ist es so, dass wir das Ritual haben, jeden einzelnen Tag kurz telefonieren und uns einen guten Morgen wünschen und auch abends, wenn wir ins Bett gehen und das schon seit 2 Jahren. Es ist ein unglaublich gutes Gefühl, wenn man sich am Morgen hört, auch wenn man nicht nebeneinander aufwacht. Es gibt eine gewissen Stabilität. 

Stef: Gab es schon Ausnahmen, dass dieses Ritual nicht funktioniert hat?

Michelle: Die gab es tatsächlich. Einmal war ich im Krankenhaus, allerdings hatte er mich an dem Tag im Krankenhaus besucht. Und vor eineinhalb war ich mit einer Freundin in Großbritannien, da ging das einfach nicht wegen der Kosten, die zustande gekommen wäre.

Stef: WOW! 2 Ausnahmen in 2 Jahren ist der Hammer! Ihr seid das beste Beispiel dafür, dass es möglich ist, eine Kontinuität aufzubauen, wenn man es wirklich möchte! Wie schafft ihr das! 

Michelle: Mein Freund würde sagen „Wir machen es einfach, ohne Wenn und Aber!“ und ich sage mittlerweile das gleiche. Wenn beide diese Beziehung wollen, dann ist es ein Leichtes, jeden Morgen und jeden Abend 5 Minuten den liebsten Menschen der Erde anzurufen und sich nur das beste zu wünschen! Auch, wenn ich schon schlafe, ruft er mich an, weil er mir noch eine gute Nacht wünschen möchte! 

Stef: Nice! Also einfach: Just do it! Einfach machen!

Michelle: Ja es ist wirklich so! Nicht lange planen oder etwas überkompliziert machen sondern einfach den Hörer in die Hand nehmen, anrufen und dem liebsten Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern!

Stef: Wie schön, es ist im Prinzip eine Routine geworden, wie das Zähneputzen. Habt ihr auch sonst Telefon-Dates oder ähnliches, sodass ihr euch auch mal am Tag „trefft?

Michelle: Ja auf jeden Fall am Anfang der Beziehung, als wir öfters mal gemeinsam Mittag gegessen haben via Telefon. Machen wir aber mittlerweile nicht mehr, was allerdings nicht daran liegt, weil wir keinen Bock mehr haben, sondern weil er die Abteilung gewechselt hat und Mittags nicht mehr Zeit hat. Ansonsten haben wir jeden Dienstag einen Paar-Tag, bei uns heißt das Elli-Pascal-Abend. Sollte übrigens meiner Meinung nach jedes Pärchen machen, egal ob Fernbeziehung oder normale Beziehung. Und da kochen wir gemeinsam, lesen gemeinsam, machen einfach Dinge mit- und nebeneinander.

Stef: Ich glaube, wie du schon gesagt hast, ist es für jede Beziehung sehr wichtig, dass man regelmäßige, am besten wöchentliche Date-Nights plant, um dem Partner immer wieder die Aufmerksamkeit und den Raum zu geben, den er/ sie verdient. 

Michelle: Es ist ein Tag, an dem man sich weiterentwickelt, was auch bedeutet, dass man auch mal Unschöne Dinge ansprechen kann. Klar, keiner streitet gerne aber ich finde, es ist wichtig, dass man Dinge anspricht, wenn sie einem auf dem Herzen liegen. Und es würde blockieren, wenn man sie nicht anspricht. 

Stef: Wie sieht es denn mit dem Thema Finanzen aus, liebe Michelle? Dadurch, dass ihr oder vor allem du als „Mädchen im Zug“ sehr viel am Reisen bist, aber auch das Thema Telefonieren zwischen Schweiz-Deutschland, geht das ganze ja auch sehr ins Geld. Welche Lösungen habt ihr dafür über die Zeit gefunden? 

Michelle: Es ist ja auch so, dass wir beide noch in der Ausbildung sind und deshalb es tatsächlich eine Herausforderung darstellt. Da spricht du also ein sehr interessantes und wichtiges Thema an. Beim Handy ist es so, dass man nach entsprechenden Abos recherchieren kann, die fernbeziehungstauglich sind. Also ja, eine Beziehung kann auch Einfluss auf den Handyvertrag haben. Wichtig zu beachten ist, dass es Auslandflats gibt und auch Double SIM-Karten, sodass du quasi einen Vertrag für beide Länder hast. Bahn ist sehr teuer, aber auch hier gilt es, die Augen auf zu halten. Es gibt Monats- und Jahreskarten (wie z.B. die Bahncard) oder man nutzt den Sparfinder der deutschen Bahn. Und nicht zu vergessen natürlich Flixbus, mit dem man für wenig Geld (ab 10€) quer durch Deutschland fahren kann. 

Stef: Danke Michelle! Wie sehen denn dann deine Zugfahren aus? Wenn du pro Woche 26 Stunden im Zug verbringst, wie verbringst du diese Zeit?

Michelle: Das ist eine sehr gute Frage! Ja tatsächlich ist das die liebste Zeit der Woche für mich! Ich mache Dinge, die normalerweise viel zu kurz kommen. Ich meditiere, ich lese, ich führe Gespräche mit anderen Mitfahrern, ich gucke Filme, ich telefoniere oft mit meiner Oma, weil ich das unter der Woche oftmals garnicht schaffe. Und im Zug ist die Zeit für genau diese Dinge.

Stef: Das ist das schöne bei der Zugfahrt! Man findet die Zeit für Dinge, die man machen möchte, aber sonst nicht machen würde. Hier gilt es, die Dinge zu machen, die man machen kann und nicht die Dinge zu bedauern, die man in dieser Zeit nicht machen kann. Und umso schöner ist es, Zeit mit der Oma zu verbringen. Omas sind toll (lacht). 

Michelle: Ich möchte nochmal betonen, das es das wichtigste ist, dass man an sich selbst glaubt, aber auch an sich selbst. Und es gilt, Akzeptanz zu üben. Vor allem für die Situationen, die nicht so laufen, wie geplant. Denn so ist das Leben. Gerade Konflikte, die mal etwas länger andauern und weh tun, nicht überdramatisieren, sondern an sich und die Beziehung glauben, dann ist alles möglich!

Stef: Danke für dieses großartige Schlusswort Michelle! 

Michelle: Ich danke dir.

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