Bis zu seinem 30. Lebensjahr suchte er den Schlüssel für Erfolg und Glück im Außen durch Leistung und die Bestätigung anderer. Heute gibt er gewonnenes Wissen weiter und liebt es andere Menschen wachsen und gewinnen zu sehen. Die Lebensphilosophie von meinem heutigen Podcast-Gast Kerim Kakmaci lautet:

Alles was du brauchst, um erfolgreich zu sein, ist bereits in dir.

Der gebürtige Wiesbadener ist bekannt für seine klaren Worte und einfache, verständliche Werkzeuge. Gesehen habe ich ihn auf der Bühne der Masterclass of Personality von Tobias Beck im Januar 2019. Damals hat er über ein sensibles Thema gesprochen, das mich dazu inspiriert hat ihn in meinen Podcast einzuladen.

Erst vor wenigen Monaten hat er seine Fernbeziehung beendet bzw. umgewandelt und ist mit seiner Partnerin Veronica im Saarland zusammengezogen um mehr Zeit mit ihr und dem gemeinsamen Sohn Sam verbringen zu können. Veronica war bereits im 7. Monat schwanger als die beiden umgezogen sind und Kerim genoss es, diese prägende Zeit des Kindes miterleben zu können. Eine Fernbeziehung kam bei einer Familiengründung nicht in Frage und es war einfacher für ihn sich zu “bewegen” und aus Frankfurt wegzuziehen. Obwohl ein Großteil seiner Kunden im Rhein-Main-Gebiet und Köln sitzt, wollte er Veronica nicht der Nähe zu ihrer Familie und dem beruflichen Umfeld berauben.

Ein Kompromiss in Sachen Zusammenziehen wäre nicht in Frage gekommen, berichtet Kerim, da sonst beide aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen worden wären. Er erzählt, Veronica wäre es schwer gefallen sehr weit von ihrem gewohnten Umfeld weg zu ziehen. Von anderen Männern in ähnlichen Situationen hatte er den Tipp bekommen und auf seine Situation übertragen:

Happy wife, happy life

Obwohl die beiden nicht verheiratet sind so sei er doch wesentlich entspannter, glücklicher und zufriedener wenn seine Partnerin dies auch sei, erklärt Kerim. Insofern sei der Umzug zu ihr eine Win-Win-Situation gewesen. Für ihn war es wichtig insofern eine klare Entscheidung in die eine – oder die andere – Richtung zu treffen, denn ein Kompromiss hätte bedeutet, dass beide ihr Umfeld und Netzwerk hätten aufgeben müssen. Und ein neues Netzwerk aufzubauen benötigt Zeit. Mittlerweile sind beide glücklich mit ihrem Häuschen im Grünen mit viel Platz für Partys.

Für Kerim war es dennoch ein großer Schritt aus seiner Komfortzone, gerade weil es ihm wichtig ist zu wissen wo sein Fitness-Studio sowie Reinigung, Supermarkt, Apotheke und sein Heilpraktiker sind. Kerim erzählt, er habe sich hier Tipps von einem Freund geholt. Wer allerdings glaubt, dass bei Kerim alles immer klappt, der irrt. Er erzählt, dass auch er sich zwischendurch immer mal wieder aufregt und ausrastet weil er sich verfahren hat etc.

Er erzählt, dass er seit ca. einem Jahr mit Veronica in einer Beziehung ist und es mit dem Kind recht schnell ging. Er sagt, sein Sohn war nicht geplant – aber gewollt. Weiterhin erzählt er, dass es mit Veronica auch immer mal wieder Streit gibt und sie sich fetzen und betont, wie wichtig es ist, dass sie als Paar gemeinsame Strukturen und Tagesabläufe finden. Gerade weil beide sehr freiheitsliebend sind.

Gerade in dieser Zeit sei es wichtig sich auf den Partner einzustellen und nicht nur nebeneinander zu laufen sondern miteinander, sodass trotzdem jeder seine Freiheiten hat. Er erzählt die ganze Situation sei eine große Herausforderung gewesen, da nicht nur der Umzug anstand, sondern ihn die extreme Umstellung durch den Ortswechsel beschäftigte und Veronicas Schwangerschaft dazu kam. Durch die Umstellung kamen natürlich auch viele Gedanken und Ängste bei beiden hoch. Die gemeinsame Zeit habe sie enorm zusammengeschweißt und dadurch, dass sie die Themen als Team gelöst haben seien sie beide dadurch extrem gewachsen, erzählt Kerim stolz. Andere hätten längst aufgegeben und hingeschmissen, meint er.

Er erzählt aber weiter, dass es auch in seiner Beziehung sehr schwarze Momente gab, in denen die Beziehung auf der Kippe stand. Liebe sei erst der Beginn, danach beginne die Arbeit. Dadurch, dass zwei Individuen aufeinandertreffen die teilweise jahrzehntelange Erfahrungen, Prägungen und Glaubenssätze mitbringen finge es schon bei der Interpretation und Definition einzelner Worte an. Hier sei es wichtig eine gemeinsame Terminologie zu finden, damit das Gesprochene auch so verstanden wird wie es gemeint war.

Die beiden haben sich füreinander als Partner entschieden, mit allen Konsequenzen und bedingungslos. Denn wenn du das Ganze an Bedingungen knüpfst funktioniert es nicht. Es geht darum wirklich zu wollen und den Preis dafür zu bezahlen. Kerim vermutet die hohe Scheidungsrate und Beziehungsfluktuation auf die nicht vorhandene Bereitschaft den Preis zu bezahlen zurück.

Es scheint in unserer digitalen Welt zu einfach Alternativen zu finden.

Unsere Zeit ist extrem schnelllebig und alles scheint perfekt. Dabei bringen die Alternativen ähnliche Probleme mit sich. Egal wen du verlässt und wohin du gehst, du nimmst immer einen Menschen mit – dich selbst. Dadurch ziehst du immer wieder dieselben Probleme und Herausforderungen an, solange du die Themen bei dir nicht gelöst hast.

Das Leben gibt dir immer wieder dieselbe Aufgabe, bis du sie löst. Denn dein Partner spiegelt und reflektiert schlicht und einfach nur dein Verhalten. Andererseits solltest du dir auch Gedanken machen wenn es keine Konflikte in deiner Beziehung gibt – denn das bedeutet, dass sich einer von beiden unterordnet. Kerim ist der festen Überzeugung, dass Konflikte zu einer guten Beziehung dazu gehören. Kein Mensch ist immer einer Meinung.

Wichtig ist es allerdings auf respektvoller Ebene in den Konflikt zu gehen, zu schauen welches Muster dein Partner gerade triggert und zu beobachten. Wie reagierst du? Gebührt deine Reaktion dem was dein Partner gerade getan hat oder hängt sie mit vergangenen Erfahrungen zusammen?

Kerim berichtet weiterhin, dass Veronica und er sich beide coachen lassen und auch bereits gemeinsame Coachings wahrgenommen haben. Die beiden sehen es als Chance für Heilung wenn Wunden aufgedeckt werden.

Denn die Wunde war vorher schon da und dein Partner hat diese sicherlich nicht mit Absicht aufgedeckt.

Das Gesetz der Antifragilität besagt, dass Konflikte pures Wachstumspotenzial sind. Denn die Stelle, an der der Knochen bricht, ist dicker, stabiler und unbrechbar. Auf Beziehungen übertragen bedeutet das, dass du entscheiden kannst ob du sagst “Okay, es ist kaputt – lass uns getrennte Wege gehen” oder ihr stärker werdet als je zuvor.

“Früher wurde an Beziehungen mehr gearbeitet, mehr repariert und es gab einen geringeren Einzugskreis und somit eine geringere Auswahl”, sagt Kerim. Er unterteilt Fernbeziehungen in verschiedene Grade. Eine Fernbeziehung ersten Grades bedeutet für ihn z.B., dass die Partnerin innerhalb von 1-2 Stunden erreichbar ist. Eine Beziehung, die eine größere Distanz aushalten muss, bei der sich die Partner teilweise wochen- und monatelang nicht sehen, weil es die Umstände nicht hergeben, ist für ihn der zweite Grad.

Für ihn habe die Fernbeziehung nie wirklich Vorteile gehabt, da er zwar freiheitsliebend sei, aber gerne die regelmäßige Nähe zu seiner Partnerin hat. Für ihn sei die räumliche Trennung Quälerei gewesen, womit er nicht gut umgehen konnte, da dieses Gefühl des Vermissens für ihn nicht positiv belegt sei.

Gemeinsam Single sein in einer Beziehung steht für ihn ganz oben auf der Prioritätenliste. “Wenn du freiheitsliebend bist, sollte dein Partner das ähnlich sehen”, meint er, jeder solle zwar seine Ziele haben und sein Leben, aber dennoch sollte es in eine Richtung gehen. Gemeinsames Wertekonstrukt, gemeinsame Zukunftspläne, vielleicht sogar ein gemeinsames Business, wie es bei Veronica und ihm der Fall ist.

Für Kerim macht eine gesunde Beziehung aus, dass es für die beiden Partner sowohl einen gemeinsamen Weg gibt, als dass auch jeder der Partner sich selbst verwirklichen kann und seine Freiheiten hat. Fernbeziehungen sind eine krasse Art und Weise um sich zu entwickeln und für sich herauszufinden, dass Glück nichts mit deinem Partner zu tun hat.

Ein “Ich bin unglücklich, wenn mein Partner nicht da ist” wäre wohl vielmehr ein Selbstliebe-Thema, meint Kerim. Zum Schluss des Interviews haut mein Gesprächspartner noch ein paar Tipps raus wie Paare auf einen gemeinsamen Nenner kommen können, was die sprachliche Barriere angeht:

1. Nimm das Ego raus!

Nicht mit Ignoranz oder Zurückweisung reagieren oder gar zu gehen.

2. Verallgemeinerungen weglassen

Verallgemeinerungen wie “Immer” oder “nie” versuchen zu vermeiden.

3. Direkt ansprechen wenn Missverständnis vorliegt

Wenn du das Gefühl hast, dass das Gesagte geraden bei deinem Partner nicht so ankommt wie du es gemeint hast hilft der simple Tipp: Ansprechen!

4. Offen sprechen

Sprich auch die Themen an, die dich verletzt haben und durch die du dich angegriffen fühlst – und wenn es etwas zeitversetzt geschieht.

5. Reflektieren

Überprüfe einmal für dich selbst, inwieweit du dich vielleicht falsch ausgedrückt haben könntest. Inwieweit verstehst du das Missverständnis?

6. Setze dich mit deinem Partner zusammen

Wie hast du dich dabei gefühlt? Was macht das mit dir? Warum macht es das mit dir? WO kommt das her? Inwiefern hat das etwas mit mir zu tun? Oder: Hat es nichts mit mir zu tun? Es geht darum sich selbst und den Partner durch diese Situation zu führen und bereit sein sich selbst verändern zu wollen.

7. Öffne dich deinem Partner

Wenn du Angst hast auf die Wunden deiner Vergangenheit zu schauen wird das Gespräch nichts bringen wenn du abblockst. Denn letztendlich ist es bei Konflikten oft so, dass beide etwas dazu beigetragen haben.

8. Sei ehrlich zu dir selbst

Sei 100%ig ehrlich zu dir selbst, auch wenn es wehtut oder nervt.

9. Fang bei dir an

Entschuldige dich für dein Fehlverhalten, wenn du der Meinung bist, dass du etwas falsch gemacht hast. Das macht es nicht nur deinem Partner leichter.

10. Gewaltfreie Kommunikation

Um Konflikte zu vermeiden ist es wichtig, wie du kommunizierst. Besonders nicht in Vorwürfen (“Nie/immer machst du …”) sondern mithilfe von Ich-Botschaften (“Das was du gerade gesagt hast, fühlt sich für mich …”). Geh raus aus der Angriffigkeit und versuche nicht die Schuld dem anderen unterzuschieben.

Danke für das tolle Gespräch und die großartigen Tipps, Kerim!

Wer sich direkt mit Kerim in Verbindung setzen möchte, findet ihn auf Instagram, Facebook, seiner Website lebemutig.jetzt, Youtube, durch seinen Live-Podcast “Lebe mutig”, eine Google-Suche oder kann ihn auf einem seiner Seminare besuchen.

Das komplette Interview findest du auf iTunes, Spotify und allen gängigen Podcast-Apps.

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